Fluch und Segen des digitalen Films
Es ist ja heute das Einfachste der Welt, selbst seine eigenen Filme zu drehen. Das war nicht immer so. Wie sich die Entwicklung der Filmerei auf die Endprodukte niedergeschlagen hat, lässt sich hervorragend, wenn auch nicht erschöpfend, anhand des Beispiels der Gattung des Erwachsenenfilms verfolgen.
Erotik war schon immer angesagt
Am Anfang war der Film an sich ja eine verrufene Kunst, die sich erst beweisen musste – hervorragend verfolgen lässt sich dies auch an der Autobiographie des in Spanien aufgewachsenen, spanisch-mexikanischen Regisseurs Luís Buñuel. Aber dies gab dem Film auch einiges an Freiheit und Experimentierfreudigkeit, die dem jungen Medium bei einer schnellen Entwicklung half. Und natürlich gab es dann schnell auch erotische Filme. Die ersten lassen sich auf das ausgehende neunzehnte Jahrhundert datieren – kurz nach der Erfindung des Kinematographen. Die ersten, zumindest die ersten verbürgen Pornos kamen ungefähr zehn Jahre nach der Jahrhundertwende. Häufig wurden die pikanten Werke tatsächlich in Adelskreisen gefertigt und konsumiert. Oder aber sie wurden von fahrenden Vorführern gezeigt – meist gegen Ende ihres Gastspiels; um nicht etwa den Zensurmaßnahmen zum Opfer zu fallen.
Der Tonfilm und die Schmuddelecke (und der Weg aus ihr heraus)
In den vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts kam dann das Abseits für den erotischen oder gar pornographischen Film. Die Pornographie war weitestgehend illegal und musste heimlich stattfinden. Die Streifen wurden illegal produziert und vertrieben und man musste wahrlich vorsichtig sein, sich beim Umgang mit der heißen Ware nicht die Finger zu verbrennen und im Gefängnis zu landen. Erst in den sechziger Jahren kam nach und nach die Legalisierung der schlüpfrigen Kunst. Lasse Braun, bürgerlich: Alberto Ferro, begann als italienischer Diplomatensohn, im diplomatische Immunität genießenden Auto seines Vaters, Pornos in sein Heimatland zu schmuggeln und operierte in den Sechzigern von Dänemark und Schweden aus als Filmregisseur. Er verschlief die Entwicklung durchaus nicht und hatte, als das Pornoverbot in den meisten Ländern fiel (in den Siebzigern) qualitativ hochwertige Pornofilme parat, die auch auf dem Filmfestival von Cannes gezeigt wurden.
Video, erneutes Geschmuddel und der Massenmarkt
Nachdem die Pornographie in den Siebzigern ein goldenes Zeitalter durchlebte, in dem zwar nicht alles wunderbar war und auch nicht notwendigerweise ein progressives Frauenbild transportiert wurde (meist eher im Gegenteil; das gilt allerdings allgemein für den Film in den Siebzigern, wie auch davor und ebenso noch heute), kam in den Achtzigern der Anfang vom Ende. Mit der Verbreitung der Videotechnologie verloren die Filme jedwedes Niveau. Die Demokratisierung des Pornomarktes kam dann mit Internet und der Implosion der Preise für Camcorder und Digitalkamera. Eine Chance, die allerdings kaum irgendwie sinnvoll genutzt wird – außer zur Verbreitung privater Videos, die sicherlich auf die Produzenten einen größeren Reiz ausüben als auf den Zuschauer.
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